kirche0412"Es war beeindruckend zu hören, was wir als Gemeinde für einen besonderen Kirchenschatz haben, den es jetzt NUR noch zu heben gilt."
Mit diesem Resümee dankte Pfarrer Schwarz dem Lübbenauer Forscher auf dem Gebiet der Kirchengeschichte, Rudolf Bönisch, für einen sehr interessanten Vortrag mit ungewöhnlichen Bildern und Vergleichen.
Dabei ging es um den barocken Altar der ehemaligen Wendischen Kirche, der jetzt in unserer Peter-PaulKirche nur noch als Fragment erhalten ist. Er erlebte ein wechselvolles Dasein und viele Standortwechsel.

Mit der Reformation begann die Geschichte der Wendischen Kirche hier in Senftenberg. Ein schlichtes Holzkirchlein war es anfangs. Dort wurden die Gottesdienste in wendischer Sprache gehalten. Im Jahre 1682 wurde eine Fachwerkkirche mit Altar eingeweiht. Nach Großbränden 40 Jahre später, einem Wiederaufbau 1749 und extremen Gewitterstürmen 1843/44 mit verheerenden Beschädigungen fand der letzte Gottesdienst in wendischer Sprache im Jahre 1881 statt.

Was geschah aber mit dem Altar nach dem Umbau zum Gemeindehaus (1934) und dem zweiten Weltkrieg? Warum erfolgte keine Restaurierung, obwohl viele Teile dieses Kunstwerkes von 1682 noch vorhanden waren? In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es Überlegungen, ihn als Hauptaltar in die Peter-Paul-Kirche umzusetzen. Nach "kleinen Gefechten" zwischen Pfarrern, Gemeindekirchenrat und dem Konsistorium ließ man diesen Gedanken dann doch fallen. Damit blieb die besondere Schlichtheit der großen Kirche glücklicherweise erhalten.

Einige Jahre später wurde der Altar dann aber zerlegt, geriet in Vergessenheit. 1994 fand die erste Restaurierungsmaßnahme auf Gut Geisendorf für ca. 50.000 DM und die Aufstellung der drei restaurierten Teile in der Peter-Paul-Kirche statt.
Nun steht er seit 1999 als Fragment in unserer Kirche, einige Kleinteile sind eingelagert bzw. fehlen gänzlich. Ein Sanierungskonzept mit Kostenbedarf müsste der nächste Schritt sein.

Warum sollte die Gemeinde trotz der dafür möglicherweise immensen aufzubringenden Finanzen eigentlich auf die Wiederherstellung des wendischen Altars erpicht sein?

kirche0413In seinem Vortrag schlug Rudolf Bönisch zur Kunst in Kirchen einen Bogen über die Zeit der Romantik, Gotik, Renaissance, Barock, Klassizismus bis zur Moderne. Dabei wurde klar, dass es nur zwischen der Reformationszeit und dem Ende des Barock gemalte Bilder an Altären gab, vorher waren sie vorwiegend mit Schnitzkunst verziert.
Der Finsterwalder Kunsttischler Abraham Jäger hat für 60 Taler genau in dieser Zeit den Altar und die Kanzel gebaut. Ein typisches Merkmal waren auf allen seinen Altären von ihm selbst geschnitzte kleine Engelköpfe. Die Malerei auf den Holztafeln erfolgte erst vier Jahre später. Wahrscheinlich stammen sie vom Kamenzer Maler Lehmann.
Die Vorlagen für die Bilder waren aber immer Kupferstiche. Alle Gemälde des Altars: "Letztes Abendmahl", "Kreuzigung" und "Auferstehung Christi" sind nachweislich nach Stichen des flämischen Malers Peter Paul Rubens entstanden. Allein das macht den Altar zu etwas Besonderem.

Vielleicht wecken die neuen Informationen, die gefundenen Kupferstichvorlagen, die mit ausdrucksstarken biblischen Motiven ausgestatteten Bilder und die Sorge um die weitere Zerstörung des Altars durch die nach wie vor aktiven Holzwürmer unser Interesse.

Nach seinem spannenden Vortrag äußerte Rudolf Bönisch die große Hoffnung, dass das vor 333 Jahren aus der frühen Phase des produktivsten Niederlausitzer Kunsttischlers Abraham Jäger stammende Kunstobjekt für die Kirchengemeinde und Besucher der Kirche in Zukunft eine größere Bedeutung bekommt. Es sollte versucht werden, die erhaltenen Altarteile zusammenzufügen und eine komplette Restaurierung zu bewerkstelligen. Diesem Wunsch schlossen sich einhellig Pfarrer Schwarz und die Zuhörer an.