Vor 80 Jahren hinterließ der Pogrom gegen die jüdischen Mitbürger auch in Senftenberg in bedrückender Weise seine Spuren.
Der stadtbekannte Anwalt Dr. Reyersbach wurde an ein Pferdefuhrwerk gebunden und durch die Straßen der Stadt geschleift. Er starb im Polizeigefängnis.
Mehrere Stolpersteine zum Gedenken wurden in den letzten Jahren in unserer Stadt und in Hörlitz verlegt.
Wir erinnern im Gottesdienst am 11. November 2018 an die Geschehnisse.
Eva Klein (1945-2014) verdanken wir es, dass einzelne Schicksale dem Vergessen entrissen wurden. Unermüdlich und überaus genau erkundete sie durch persönliche Recherche und in den Archiven die Lebenswege und Zusammenhänge, knüpfte Kontakte, so es möglich war, zu den Familien, u.a. zur Familie Reyersbach. Über sein Schicksal schrieb sie:

Rudolf Reyersbach wurde am 17. Februar 1897 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Cottbus geboren.
Nach der Reifeprüfung diente er als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg.
Er studierte Jura und begann im Juli 1921 seine Tätigkeit als Referendar in Cottbus. Am 12. Juli 1924 wurde er Assessor, und am 27. April 1925 verlieh man ihm den Titel „Doktor der Rechte“.

In Senftenberg war Dr. Reyersbach seit dem 6.10.1925 als Rechtsanwalt und seit dem 28. Januar 1926 als Notar tätig. Sein sachliches Auftreten vor Gericht sowie sein menschliches Verhalten brachten ihm Achtung und Anerkennung in den verschiedensten Kreisen der Bevölkerung ein. Am 1. April 1933 wurde den Juristen jüdischer Herkunft die Ausübung ihres Berufes verboten.
Aufgrund des § 3 des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“
vom 7. April 1933 konnte Dr. Reyersbach weiter praktizieren, da er Soldat im Ersten Weltkrieg gewesen war. Vorher musste er aber einen Antrag auf „Wiederzulassung“ stellen, in dem er seine Loyalität zur „Regierung der nationalen Einheit“ zu erklären und die „jetzt bestehende Lage“ als „für sich rechtsverbindlich“ anzuerkennen hatte.
Kurz nach der „Wiederzulassung“ musste sich Dr. Reyersbach, welcher der SPD nahe stand, gegen ein erneutes „Vertretungsverbot“ wehren. 
Mitglieder der Senftenberger NSDAP hatten ihn beim Justizministerium als „national unzuverlässig“ denunziert, um ein Berufsverbot zu erreichen. Juristen und Senftenberger Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter Superintendent Lehnerdt von der Evangelischen Kirchengemeinde, schrieben „Unbedenklichkeitserklärungen“ für ihn, sodass er schließlich wieder praktizieren durfte. Am 25. Juli 1933 wurde Dr. Reyersbach gemäß § 4 des o. g. Gesetzes jedoch als Notar entlassen.

Dr. Reyersbach war in Nazikreisen gehasst, da er linksorientierte Personen in Prozessen gegen Nazis verteidigt hatte, und es gab Tätlichkeiten gegen ihn. Der „Senftenberger Anzeiger“ vom 20. März 1933 informierte: „Im Hause des Rechtsanwalts Dr. Reyersbach wurden in letzter Nacht Fensterscheiben eingeworfen.“ Die Ausschreitungen gegen Dr. Reyersbach eskalierten beim Pogrom am 10. November 1938, als die jüdischen Bürger Senftenbergs aus den Wohnungen gezerrt und auf dem Markt zusammengetrieben wurden. Dr. Reyersbach wurde bestialisch zu Tode gequält. Seine nicht jüdische Ehefrau Martha Reyersbach, geborene Maenz, und sein 1931 geborener Sohn Walter überlebten in Deutschland. Seine Mutter Valeska sowie die Schwestern Marianne und Henny wanderten nach Guatemala aus und lebten später in der Schweiz.

Der Stolperstein für Dr. Reyersbach ist vor dem Haus am Steindamm 17 (ehemals Dresdener Straße 1) am 10.07.2007 verlegt worden, in dem die Familie Reyersbach zur Miete wohnte. Dort befand sich auch die Anwaltskanzlei. 1937 sah sich die Familie gezwungen, diesen bevorzugten Wohnsitz zu verlassen und in die Annastraße 9 (heute Reyersbachstraße) zu ziehen. Seine Kanzlei verlegte Reyersbach im Oktober 1937 in die Bahnhofstraße 5 (heute Enge Bahnhofstraße).