kirche0237Einige  von  Ihnen  werden  mich  in  meiner  neu begonnenen Arbeit im Kirchenkreis schon erlebt haben, andere vielleicht schon davon gehört oder gelesen haben.
Und  manche  werden  sich  vorab  gefragt  haben,  was dieser besondere Zuschnitt dieser kreiskirchlichen Stelle an  Chancen  und  Limitierungen  bieten  wird  - beziehungsweise, wer sie dann wohl wie ausfüllen wird.

Nun bin ich also schon einige  Wochen da und damit beschäftigt,  diesen  besonderen  Stellenzuschnitt  mit Leben  zu  erfüllen  und  damit  hoffentlich  auch Erwartungen.  Und  ebenso  mit  diesem  besonderen Zuschnitt auf kreiskirchlicher Ebene Antworten auf Fragen zu finden, die sich aus der  Veränderung  evangelischen  Lebens  im Kirchenkreis  wie  in  der  ganzen Landeskirche Berlins,  Brandenburgs und der  schlesischen Oberlausitz (EKBO) immer drängender stellen.

Für diese kreiskirchliche Pfarrstelle, die ich - hoffentlich auch für Sie erkennbar - mit  Engagement  und Freude  angetreten habe,  spielt  künftig Zielgruppenarbeit eine  prägende  Rolle.  Zielgruppenarbeit,  mit  der  auch  der  Kirchenkreis  der Veränderung  Rechnung  trägt,  dass  gemeinschaftliches  wie  eben  auch gemeindliches  Leben  in  einer  stärker  individualisierten  Gesellschaft  immer weniger  Menschen „selbstverständlich in ihre Gemeinde hineinwachsen lässt“.
Und  deshalb  es  auch  immer  weniger  Menschen  selbstverständlich  finden, sonntags oder überhaupt wöchentlich einmal in die Kirche zu gehen oder auch nur zu Hause zu beten.

Immer  weniger  junge Menschen lernen heute rechtzeitig in ihrer  Familie oder wenigstens durch sie die Traditionen kennen, die ein Hineinwachsen in Glauben und Gemeinde erleichtern.
Immer mehr Menschen erleben Freizeit als ein kostbares Gut, von dem sie sich genau überlegen, mit wem sie es teilen. Und immer mehr Menschen möchten sich auch von denen, die ihnen vertraut sind, beim Aufteilen dieser Freizeit individuell angesprochen  und  umworben  fühlen.  Noch  dazu  in  einer  Zeit,  in  der  viele „Veranstalter“ um einen Anteil an ihrer Freizeit heftig konkurrieren und sich nicht mehr sicher fühlen können, wegen der Qualität oder Besonderheit ihres Angebots einen unangefochtenen Platz in der eigenen Freizeit, im eigenen Leben „sicher zu haben“.

Deshalb  möchte  der  Kirchenkreis,  möchte  ich  Sie  mit  der  Zielgruppenarbeit künftig besonders ansprechen - auch auf besondere Art und Weise also: Und zwar sowohl  jene  unter  Ihnen,  die  sich ihrer  Gemeinde  und der  Gemeinschaft  der evangelisch Glaubenden eng verbunden fühlen, wie auch jene, die unsere Kirche eher aus der Distanz wahrnehmen oder auch eine gewisse „Schwellenangst“ an Kirchentüren verspüren.

Die Angebote an beide Zielgruppen so interessant und vielfältig zu gestalten, dass sich beide Gruppen darin begegnen können, wird dabei ebenso Richtschnur sein wie der Wille, diese Angebote professionell zu gestalten und zu präsentieren. Das verstehe  ich  nicht  nur  als  Möglichkeit  und  Aufmerksamkeit,  die  eher Distanzierten zu erreichen,  sondern auch als  Ausdruck der  Wertschätzung für diejenigen unter  Ihnen,  die ihrer  Gemeinde seit  Jahren oder  gar  Jahrzehnten - vielfältig verbunden sind. Die Qualität eines Angebots und die Präsentation macht nicht nur „Neukunden“ Freude!
Mit  neuen  Veranstaltungsformaten,  die  sich  zugleich  auf  Bewährtes  und Vertrautes stützen, möchte ich attraktive Angebote machen an alle, die sich ihrer Kirche  bereits  verbunden  fühlen  wie  auch  an  alle,  die  diese  Verbindung „probieren“,  „austesten“ oder „behutsam stärken“ möchten. Und auch jene,  die einfach  nur  neugierig  ihre  Distanziertheit  zur  Kirche  für  neue  Formate aufzubrechen bereit  sind, sollen uns dabei  willkommen sein. Anders als früher wächst man dieser Tage - wie weiter oben gesagt - weniger selbstverständlich in Glauben und Gemeinde hinein, sondern es entsteht Bindung auf Grund bewusster Ansprache  und  Entscheidung  und  mit  Fragen,  auf  die  Kirche  offen  und zugewandt reagieren soll, um sie zu erreichen und im günstigsten Falle - für sich
zu gewinnen.

Dieser Zukunftsaufgabe möchte ich mich mit  Ihnen gemeinsam widmen. Dabei unterstützt  mich  dankenswerter  Weise  auch  ein  ortsunabhängiges  Team,  das ehramtlich,  aber  sehr  professionell  gerade  an  der  Formatentwicklung  und Präsentation  Anteil  nimmt  und  mich  -  also  auch  uns  -  weiter  in  diesem Zukunftsfeld unterstützen wird.

Ich  freue  mich  dabei  auch  auf  ihre  Offenheit  gegenüber  Ungewohntem und Neuem, auf Ihre Bereitschaft für Mitwirkung an der Zukunftsaufgabe „Kirche in der Gesellschaft“ und dabei auf Ihr Interesse an neuen Angeboten und Formaten.
Probieren  Sie  es  doch  „gleich“  einmal  aus:  Beim  nächsten  besonderen Gottesdienst  im Format  „Nachtblauer  Samstag“  am 07.  Juni  2014,  wenn  die Musik „Hits und andere himmlische Lieder“ eine besondere Rolle spielt.

Oder  gehören  Sie  vielleicht  zu  jenen,  die  zwar  nicht  gerade  regelmäßige Kirchgänger sind, aber schon mal ein kurzes, stilles Gebet oder einen Stoßseufzer gen Himmel schicken, wenn ein Mitglied der Familie oder des Freundeskreises zu einem Rettungseinsatz  als  Sanitäter  oder  Feuerwehrkameradin  gerufen  wird?
Dann spricht Sie gewiss der  Rettertag mit  Retter-Gottesdienst  unter  dem Titel „Rette dich, wer kann“ an. Beide zusammen sind ein inzwischen seit mehreren Jahren in der Region verankertes, gelebtes und lebendiges Dankeschön: nicht nur für  die  zahlreichen,  engagierten  Retterinnen  und  Retter,  die  in  ganz unterschiedlichen  Aufgabenbereichen  für  unser  aller  Wohl  und  Sicherheit erhebliche Teile ihrer Freizeit geben, sondern auch für jene, die dafür - zu unser aller Wohl - auf gemeinsame Freizeit mit eben diesen Menschen verzichten.

Oder vielleicht suchen Sie zunächst einen weniger liturgisch geprägten Kontakt zur Kirche, ein etwas „weltlicheres“ Format? Dann sind Sie, wie natürlich auch alle,  die  weniger  „Schwellenangst“  verspüren,  herzlich  eingeladen  zu  den demnächst  beginnenden  Kamingesprächen,  bei  denen  interessante  Gäste  aus unterschiedlichen Bereichen - professionell moderiert durch einen Journalisten - miteinander über ganz verschiedene Themen sprechen und diskutieren: „... über Gott und die Welt“ eben.
Neben den besonderen Aufgaben wird das Vertraute, das Alltägliche nicht in den Hintergrund  geraten.  Die  seelsorgerische  Arbeit  in  Krankenhäusern  und
Pflegeeinrichtungen,  die  anteilig  meiner  Pfarrstelle  zugeordnet  sind,  habe  ich bereits  konkret  in Angriff  genommen.  Ergänzend hierzu wurde ich in das  im vergangenen Jahr gegründete Ethik-Komitee des Klinikums Niederlausitz berufen und  wurde  dort  auch  in  den  Vorstand  gewählt.  Ich  bin  überzeugt,  dass  die Seelsorge  in  Krankenhäusern  und  Senioreneinrichtungen  auch gemeindeübergreifend  an  Bedeutung  gewinnen  wird  -  nicht  nur  aus demografischen Gründen. Sondern ebenso, weil  das Bewusstsein dafür wächst, dass  eine  Gesellschaft  im Umgang  mit  alten  Menschen,  mit  kranken  und
gebrechlichen  Mitgliedern  unserer  kirchlichen  und  kommunalen  Gemeinden wichtige Aussagen über ihr Selbstverständnis trifft.
Schließlich sehe ich die meiner Pfarrstelle in begrenztem Umfange zugeordneten Vertretungen in den Gemeinden des Kirchenkreises nicht als Last, sondern neben der  Seelsorge eine weitere „Erdung“ meiner  Tätigkeit  und meiner  alltäglichen Verankerung  im  Kirchenkreis.  So  wird  es  leichter  sein,  die  allgemeine Zukunftsaufgabe von Kirche vor Ort gemeinsam anzugehen: Unsere Kirche offen und zukunftsfähig zu gestalten und zu kommunizieren. Um so gemeinsam Nähe zur  Kirche  zu  stärken,  wo  sie  schon  gelebt  wird,  und  herzustellen  -  oder mindestens zu ermöglichen - wo noch Fremdheit zueinander gefühlt wird.
Darauf, dass wir das gemeinsam schaffen, „wettet“ zuversichtlich

Ihre Pfarrerin Dorothee Michler