Liebe Gemeinde

nein, nein, das ist doch kein Weihnachtsbild!!!kirche0366
Maria und Josef stehen im Bretterverschlag, und das Kind liegt auf einer Holzkiste. Weihnachten am Rand. Das verschlägt mir die Sprache.
Kein Ochs und kein Esel, die Wärme verströmen, kein Heu und kein Stroh, auch die lieblichen Engel, die Hirten oder die 3 Weisen fehlen.
Kein Stern von Bethlehem weist auf den Stall. Da ist nur dieses grell strahlende Licht in der Mitte, das alle auseinander treibt. Weißes, eiskaltes Licht, nicht der trauliche Kerzenschein oder das Feuer der Kochstelle ...

Es scheint, als könnte es in dieser Welt gar nicht Weihnachten werden.
Christi Geburt im letzten Winkel, in die Ecke gedrängt, bedroht vom Greifer des Baggers.
Ein Arbeiter schleppt sich zur Schicht. Um seine Arbeit zu erledigen.
Den Rest wegräumen, denn da liegen noch drei Ziegelsteine. Sie verweisen darauf, wie steinhart das Herz eines Menschen sein kann.
Da ist keine Raum in der Herberge.
Emil Scheibe (1914-2008), der Künstler, möchte uns als Betrachter verstören, er möchte, dass wir laut „Halt!“ rufen und diese starre, schematisch funktionierende und technisierte Welt mit einem leeren Himmel nicht hinnehmen.
Er möchte, dass ich das Bild verändere, mit Leben fülle, mit Farben und Formen, die vereinzelten Menschen in Beziehung bringe und die Geburt Christi in die Mitte des Bildes rücke.
Jeder auf diesem Bild ist allein für sich, selbst Mutter und Tochter blicken ins Leere, ins Nichts, so ohne Hoffnung. Der Radfahrer hat einen Halt eingelegt, schaut wenigstens hin, er sieht etwas. Aber er wartet ab, bleibt auf Abstand und hält Distanz. Nur nicht herankommen lassen.
Ob er gleich weiter fährt? Mit einem „Was soll´s?“ Oder ob er sich nähern wird? Dem kleinen Leben, das nun in diese unbehauste Welt geboren wurde? Zum Heil der Welt. Es schützen, bewahren und begrüßen. Und dann die anderen einladen, den anderen kundtun, was er in dieser Nacht entdeckt hat:

„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren.“

Ein gesegnetes Christfest wünsche ich Ihnen!
Ihr Pf. Manfred Schwarz