Im evangelischen Jahr der Kirche beginnt jetzt die Zeit der schwierigen Namen: Septuagesimä (70 Tage bis Ostern, in diesem Jahr am 31. Januar), Sexagesimä (60 Tage bis Ostern), Estomihi: die drei Sonntage vor der eigentlichen Fasten- und Passionszeit.

Am Sonntag Estomihi erscheint in den Lesungen zum ersten Mal die Ankündigung Jesu, dass er leiden und sterben müsse. Der Sonntag hat seinen Namen - wie alle, die nach ihm kommen - von den ersten Worten des Psalms, der zu diesem Sonntag gehört: Sei mir (esto mihi) ein starker Fels ... (Psalm 31,3b).

Eigentlich beginnt die Passionszeit dann aber mit dem Aschermittwoch, an dem die Gläubigen sich früher Asche aufs Haupt streuten (Asche auf mein Haupt, sagen wir heute manchmal noch) als Zeichen der Buße und der Reue.

Jeder Sonntag im Kirchenjahr hat ein Thema, eine Überschrift, zu jedem Sonntag gehört ein Text aus den Evangelien, gehören feste andere biblische Stellen und jeweils ein Psalm. Wenn diese Psalmen früher gesungen wurden, dann gab es dazu einen Vers, der zu Beginn und am Ende angestimmt wurde, von seinen lateinischen Worten leiten sich die Namen der Sonntage ab:

Invokavit: Er ruft (invocavit) mich an, darum will ich ihn erhören.
(Psalm 91,15)
Reminiszere: Gedenke (reminiscere), Herr, an deine Barmherzigkeit.
(Psalm 25,6)
Okuli: Meine Augen (oculi) sehen stets auf den Herrn.
(Psalm 25,15)
Lätare: Freut euch (laetare) mit Jerusalem.
(Psalm 66,10)
Judika: Schaffe mir Recht (Judica me), Gott.
(Psalm 43,1)
Monika Elsner