kirche0070Beim ersten Anblick der  Skulptur  auf  dem Bild fiel  mir  sofort  das Passionslied von Jürgen Henkys ein:


Korn, das in die Erde, in den Tod, versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt -
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Tod und Auferstehen, Vergehen und Neuaustrieb – beides gemeinsam wird in einem Bild zusammengefasst,  in den Weizen des  Liedes  und in das Weidenholz der Skulptur.
„Aufblühen“ nennt der polnische Bildhauer und Lehrer Stanislaw Kulon, geboren 1930 in der heutigen Ukraine, seine farbige Holzskulptur. Fasst sie nicht  beide für uns Christen so wichtigen Geschehen zusammen – Jesu Leiden und Sterben für uns am Kreuz und den froh machenden Neuanfang, Jesu Sieg über den Tod, durch seine Auferstehung?
Beides bildet eine geheimnisvolle Einheit, spiegelt den wunderbaren Plan Gottes zu unserem Heil wider.

So kann es der Künstler und können wir es heute jedoch nur von Ostern her  sehen.  Der  Anblick  des  leidenden  und  sterbenden  Christus,  das Karfreitagsgeschehen,  verliert  aus  dieser  Perspektive  seine  Härte  und Endgültigkeit.
Deutlicher  kommt  dabei  seine Liebe zu uns zum Ausdruck.  Der  oft  so bezeichnete rauhe „Marterpfahl“ ist hier glattes grünes Holz.

Deute ich es richtig, dass sogar Vögel in Jesu Nähe auf dem Holz sitzen? Fast friedlich wirkt das Bild. Und es weist eindeutig auf Ostern hin – dort liegt die Zukunft,  das eigentliche Ziel.  Neues blüht auf, Neues fängt an, wie beim Weizenkorn, das zuvor in die Erde muss, um neue Frucht hervor zu bringen, so treibt das Weidenholz aus dem abgetrennten Stamm wieder ganz frisch hervor. Haben wir das nicht erst kürzlich gehört?
Ja, richtig, in der Adventszeit. „Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm  Isais  und  ein  Zweig  aus  seiner  Wurzel  Frucht  bringen...“, verkündete der Prophet Jesaja schon vor langer Zeit.


Mit den jungen Zweigen spannt der Künstler seinen Bogen bis weit in die Vergangenheit. Und trotzdem weist  er  damit  in die Zukunft,  will  Hoffnung und immer neue Zuversicht in uns wecken.
„Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist  dein  Sieg?“,  jubelt  schon  der  Apostel  Paulus  Mut  machend  der Gemeinde in Korinth zu, und werden wir es auch bei uns ganz bestimmt zu Ostern hören.
Lassen wir uns durch das Osterfest aufs neue froh machen und den Rücken stärken: Wir haben einen Herrn und großen Bruder, der lebt und den Tod überwunden  hat,  uns  in  jeder  Situation  nahe  ist  und  uns  zu  seinem herrlichen Ziel führen will. Vertrauen wir ihm.

 

Nachsatz:
Die Skulptur „Aufblühen“ war im vergangenen Jahr Motiv eines Kalenders der polnischen „Bruder-Albert-Stiftung“, die durch unsere Lazarus-Arbeit in der Partnerstadt Nowa Sol unterstützt wird.