Liebe Gemeinde,

kirche0498an diesem Haus, es steht direkt an der Straße in Suschow bei Vetschau, bin ich oft vorbeigefahren. Immer wieder las ich diesen Spruch.
„Gott allein die Ehre.“
Ich fand das ungewöhnlich.
Und auch mutig, solch ein klares Bekenntnis für alle sichtbar zu zeigen. Der Bibelvers ist unübersehbar, da von der Straße aus gut zu sehen, die die Touristen nach Burg führt.
Ist ja schließlich keine Kirche, nur ein Wohnhaus!
Jetzt hab ich doch mal geklingelt.
Wohnen da etwa ganz fromme Leute? Vielleicht eine Sekte?
Nein, nein, sagte mir der Mann, das hat die Oma so gewollt, sie war ganz „normal kirchlich“. Sie wollte das so, als das Haus 1913 gebaut wurde. Und dieser Spruch überstand die Zeiten, den 1. und 2. Weltkrieg, wo so mancher auf dem „Feld der Ehre“ starb. Ich fragte, ob es zu DDR-Zeit denn keine Probleme gab? Nein, nie!

 

Mich erinnert der Spruch an meinen ehemaligen Mitstudenten Alfred.
Auch er studierte an der Humboldt Universität. Ja, das Studium der Theologie war damals an staatlichen Universitäten möglich. Es war sozusagen eine „Ehre“ studieren zu dürfen und deshalb gehörte auch eine militärische Qualifizierung dazu. Das fünfwöchige MQLager. Aber Alfred durfte, weil ausgemustert, in das ZV-Lager, wo die Frauen in der Zivilverteidigung geschult wurden.
Das war in Biesdorf. Natürlich sollte es auch dort so militärisch wie nur möglich zugehen, also mit eine Art Uniform und dem militärischen Gruß. Und wenn ein Offizier vorbeikam sollte gegrüßt werden: Hand an die Schläfe, sozusagen die „Ehrenbezeugung“.
Mein Studienfreund hatte nicht die geringste Absicht dem nachzukommen. Und es wurde auch geduldet, denn was war von den Studenten der Theologie schon anderes zu erwarten ...
Aber einmal nahm es doch ein Offizier sehr ernst.
Wie immer sagte Alfred beim Vorbeigehen nur sein „Guten Tag!“. Plötzlich brüllte es hinter ihm. „Kommen sie sofort zurück!“. Mit strenger Miene hieß es: „Haben sie nicht was vergessen?!!!“
„Was denn?“
„Die Ehrenbezeugung!!!“
Alfred sagte daraufhin in aller Seelenruhe: „In der Bibel steht: Gott allein die Ehre!“ Der Offizier war sprachlos und verdutzt zugleich. Und Alfred fügte hinzu „5. Buch Mose, Kapitel 32, Vers 3“ Der Offizier war einigermaßen perplex und gab sich geschlagen. Wütend rief er noch: „Machen sie dass sie weiterkommen!“ und ging auf und davon.
Mit dieser Begebenheit wurde mir klar, was die Rede von der Ehre Gottes praktisch bedeutet. Wörtlich steht in der Bibel: Zollt Größe unserem Gott. Ja, Gott groß sein lassen, das weist uns ein in ein Leben im menschlichen Maß. Das ist wohl das Wichtigste, was es für uns zu lernen gibt. Wir lernen, in unseren Stärken die Grenzen zu achten und in unserer Schwäche nicht zu resignieren.
Wird vor lauter Betonung der Souveränität und Mächtigkeit Gottes der Mensch nicht herabgesetzt? Muss das nicht dazu führen, dass ich mich am Ende klein und geduckt fühle? Nein, im Gegenteil!
Einfach gesagt: Gott groß sein lassen führt zu Lebensgewinn. Gottes Ehre das ist unsere Freiheit.

In der Freienhufener Kirche las ich den Vers in Latein auf dem Kanzeltuch: Soli Deo Gloria. Sozusagen als Fingerzeig für den Prediger. Und im Gottesdienst bekennen wir es sonntäglich: „Ehre sei Gott in der Höhe“, so singt der Pfarrer, und die Gemeinde antwortet: „und auf Erden Fried', den Menschen ein Wohlgefallen“ Dann folgt das reformatorische Gloria von Nikolaus Decius von 1523:

Allein Gott in der Höh sei Ehr
und Dank für seine Gnade,
darum daß nun und nimmermehr
uns rühren kann kein Schade.
Ein Wohlgefalln Gott an uns hat;
nun ist groß Fried ohn Unterlaß,
all Fehd hat nun ein Ende.

„Gott allein die Ehre“ – das will verstanden werden als ein Wort des Trostes und des trotzigen Widerstands.